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Leben ist ein Experiment. Was täten wir, wenn wir nicht davon erzählen könnten. Vom Mut, etwas auszuprobieren. Von den Zufällen, die unsere Pläne durchkreuzen oder ihnen auf die Sprünge helfen. Von den Brüchen, den verhängnisvollen Verkettungen. Und dem Unglück, das sich in ein Glück wandeln kann.

Portrait Juliane Ratz-Breil

Mein Erstling

Seitdem ich das erste Mal an die Havel kam, staune ich. Über die vielen Seen, die ihre Entstehung der Havel verdanken. Darüber, dass es in Glindow Alpen gibt. Und in Werder Wein. Ich wundere mich, wie groß das Neue Palais und wie klein das Schloss Sanssouci ist. Ich erfreue mich am Blick auf Schwielow-See und Havel von der Baumgartenbrücke aus, am Leben der Vögel auf dem Wasser und am Spiel des Lichts auf dem See vor meiner Wohnung. Siebzehn Skizzen sind daraus entstanden. Sie spannen einen Bogen vom intimen Moment des persönlichen Erlebens zu dem, was Menschen im Laufe der Jahrhunderte geschaffen haben.

Cover "Ein trödelnder Fluss"

Rezensionen

Ein besonders spektakulärer Fluss ist die Havel kaum, „sie hat es nicht weit gebracht“, sagt Juliane Ratz-Breil. Kein Wunder: Zwischen der Quelle in Mecklenburg-Vorpommern und der Mündung der Elbe in Sachen-Anhalt liegen vierundneunzig Kilometer Luftlinie, insgesamt ist die Havel 334 Kilometer lang und bewältigt damit einen Höhenunterschied von nur vierzig Metern. Ein trödelnder Fluss. So hat Ratz-Breil ihr Buch betitelt. Es ist eine Liebeserklärung an eine Region, in der die Zeit ebenfalls zu trödeln scheint.

 

Frank Füllgrabe in der Lüneburger Landeszeitung

Einen Lyrischen Titel trägt ein neues Bändchen über das Havelland: „Ein trödelnder Fluss“. Gemeint ist damit die Havel. Über den wohl berühmtesten Fluss Brandenburgs macht sich Juliane Ratz-Breil eigene Gedanken und verbindet sie mit geografischen Fakten, historischen Begebenheiten und literarischen Erwähnungen durch den märkischen Dichter Theodor Fontane. Dennoch lesen sich ihre 17 Kurzgeschichten keinesfalls wie Lexika-Einträge.

Sondern die in klaren Sätzen gehaltenen Texte strahlen eine lakonische Poesie aus, in die selbst Erlebtes einfließt. Die Gegend um Potsdam und Werder sieht sie mit dem wachen und immer noch staunenden Auge einer Zugezogenen. Der Leser erlebt von Geschichte zu Geschichte das langsame Entstehen einer Liebe zur neuen Heimat.

 

Matthias Busse in Blickpunkt Potsdam

Neu

Der Zweite Weltkrieg ist seit drei Jahren vorbei, als eine junge Frau in einem Auto vor dem Haus ihrer Eltern vorfährt. Ingo, fünf Jahre alt, erfährt, dass sie seine Mutter ist. Sie sieht bunter aus als die Frauen im Dorf, lacht anders, freier – doch als er fragt, ob sie ihn mitnimmt, wendet sie sich ab.

Jahrzehnte später sucht Ingo nach ihr, getrieben von einer Angst, die er sich nicht erklären kann.
Er will wissen, warum seine Mutter ihn verließ und wer sein Vater war – und stößt auf eine Geschichte, die ihn bis in die Ukraine führt.

„Warum fällt das Gras nicht um?“ ist die Geschichte einer verbotenen Liebe, eines Kindes, das zu früh auf sich gestellt war, und einer späten Annäherung zwischen Mutter und Sohn – eine Geschichte vom Verlieren und Wiederfinden.

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